Fototeca Palermitana. Eine visuelle Kampagne

Der diesjährige Studienkurs der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte fand in der sizilianischen Hauptstadt Palermo statt. An den beiden wissenschaftlichen Exkursionen nahmen jeweils Stipendiat*innen des Instituts und eine Gruppe von zwölf internationalen Doktorand*innen und Postdocs teil. Aus diesem Anlass gab die Fotothek eine umfangreiche Fotokampagne in Auftrag, um zur visuellen Dokumentation der Stadt beizutragen. Es entstanden über 600 professionelle Aufnahmen des renommierten Fotografen Roberto Sigismondi, die Kunst und Architektur vom Mittelalter bis zur Gegenwart abbilden, und zwar vorrangig Objekte, die während des Studienkurses untersucht wurden. Die Auswahl ist zudem darauf angelegt, Lücken in der fotografischen Dokumentation der Stadt und ihrer Umgebung zu schließen und steht nun Forscher*innen weltweit zur Verfügung. Die Fotografien basieren auf der thematischen Ausrichtung des Studienkurses. Im Einklang mit dem Titel »Koexistenz im Fluss« stehen die Migrationsgeschichte und die vielfältige kulturelle Produktion in Palermo im Fokus.

Seit ihrer Gründung wird die Hafenstadt Palermo durch einen nomadischen Blick definiert. Dank ihrer zentralen Lage im Mittelmeerraum durchquerten sie vielfältige und teils einander durchdringende Bevölkerungsströme, die von den frühen griechischen, römischen, jüdischen, arabischen, normannischen, spanischen und vom italienischen Festland aufbrechenden ausgehen und bis zu den gegenwärtigen, durch globale Ungleichheiten bedingten afrikanischen, nahöstlichen und transozeanischen Bewegungen reichen. Das Motto des städtischen Genius loci, »Panormus conca aurea suos devorat alienos nutrit« (»Palermo das goldene Tal, verschlingt die Eigenen und nährt die Fremden«) betont die Bindungskraft, wodurch die Stadt zu einem der komplexesten kulturellen Palimpseste des Mittelmeerraums avancierte.

Im Jahr 2018 tritt Palermo in seiner Funktion als Gastgeberin der Manifesta – der nomadischen europäischen Biennale für zeitgenössische Kunst – in eine neue Phase der Reflexion über die eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein. Im Einklang mit dem institutionellen Profil der Biennale wurde die Manifesta 12 von ihren »kreativen Vermittler/innen« als lokale Plattform für Debatten über dringliche zeitgenössische Fragen konzipiert. Unter dem Thema »Der Planetarische Garten – Kultivierung der Koexistenz« setzt die Biennale auf die Stadt als paradigmatischer Ort, um Koexistenz auf verschiedenen Ebenen, von der lokalen bis zur planetaren, zu diskutieren und initiieren. Der Studienkurs der Bibliotheca Hertziana »Koexistenz im Fluss« leistete hierzu einen Beitrag, indem »Koexistenz« aus einer kunsthistorischen Perspektive angegangen und das künstlerische Erbe der Stadt in wechselseitige Beziehung zu seiner aktuellen Resonanz im Feld des Expositorischen gesetzt wurden. Ausgehend von einem kritischen Umgang mit den in der Manifesta entstandenen Denk- und Handlungsweisen wurden die künstlerische Vergangenheit und Gegenwart der Stadt neu in den Blick genommen – und umgekehrt.

Eine Auswahl von 25 Fotografien gibt im Folgenden Einblick in die Breite und Vielfalt der Kampagne.

 

Projekt: Maria Bremer, Tristan Weddigen, David Zagoury
Texte: Maria Bremer, David Zagoury
Fotografen: Roberto Sigismondi, Tristan Weddigen
Realisierung: Tatjana Bartsch

12.12.2018

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